Page 17 - 7 morgen-Magazin 1/2021
P. 17

                         Romane
  Martin Mosebachs neues Werk ist ein atmosphärischer, bildstarker Roman darüber, was das Verstreichen von Zeit mit Menschen tut, zugleich Liebesroman und Mephisto-Geschichte.
Eine große Erzählung, manchmal aufgehellt durch leisen Humor, aber
vor allem dunkel und in dieser Dunkelheit ergreifend schön.
überraschend, »Krass«
Ralph Krass – so heißt ein verschwen- derisch großzügiger Geschäftsmann, der Menschen mit kannibalischem Appetit verbraucht. Ist er unendlich reich oder nur ein Hochstapler, kalt berechnend, oder träumt er hemmungslos? Er will sich seine Gesellschaft erkaufen, immer nur selbst der Schenkende sein. Als in Neapel Lidewine in seinen Kreis tritt – eben noch die Assistentin eines Zauberers, eine junge Abenteurerin – bietet er ihr einen unge- wöhnlichen Pakt an. Beobachtet wird das Ganze von seinem Sekretär, dem Pechvogel Dr. Jüngel, mit einem Blick voll Neid und Eifersucht. Aber erst nachdem die Gesellschaft von Herrn Krass durch einen Eklat auseinandergeflogen ist, gelingt es ihm, an seinem Zufluchtsort in der französischen Provinz, die Mosaiksteine des Ge- schehenen zu einem Bild zu ordnen – während Menschen wie der stumme Kuhhirte Toussaint, der Schuster Desfosses und Madame Lemoine mit ihren Wellensittichen ihm eine Ahnung da- von vermitteln, wie alles mit allem rätselhaft zusammenhängt.
Martin Mosebach
Krass
528 S., € 25,– Rowohlt
                                                          Schöner lesen · Frühjahr 2021
17
























































































   15   16   17   18   19