Page 14 - 7 morgen-Magazin 1/2021
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  Die Stimme derDMillenium-Generation
ie »Vogue« bezeichnet sie als »die Königin moderner Romantik.« Dolly Alderton macht diesem Ruf auch in ihrem neuen Roman »Gespenster« wieder alle Ehre. Hier trägt die erfolgreiche Koch-
buchautorin Nina George ihren zweiten Vornamen, weil ein Hit von »Wham!« an ihrem Geburtstag vor 32 Jahren auf Platz 1 der Charts stand. Das beeindruckt Max, den sie von einer Dating-App kennt, und er erobert blitzschnell Ninas Herz. Doch von einem auf den anderen Tag verschwindet nicht nur Max’ Profil in der App, sondern auch der echte Max wieder aus ihrem Leben. Gleichzeitig plant Ninas Ex-Freund seine Hochzeit. Und dann scheint Nina endgültig alles zu entgleiten, denn ihr geliebter Vater erkrankt an Demenz. Großartig und so richtig zum Mit- fiebern erzählt!
DLiebe in Zeiten von Codes
er Titel dieses Buchs, »Män- ner ohne Möbel«, verrät es bereits: Die Männer in Ellies
Leben haben Angst vor richtigen Res- taurants, trinken Erdbeermilch und schlafen auf Matratzen ohne Bettge- stell. Und Ellie? Besucht unter dem Titel »Mein Happy End bin ich!« einen Schreibkurs an der Volkshochschule. Dort lernt sie sich als Romanfigur zu betrachten und macht aus ihrem Leben ein Lieblingsbuch. Es endet in Italien, im richtigen, nicht in der eben- so benannten Kneipe um die Ecke – und mit einer Überraschung. Irgend- wo zwischen Fleabag und Loriot gelingt es Alexandra Stahl temporeich und lakonisch zugleich von der Liebe in Zeiten von Codes und offenen Türen, von Lebensfreude-Duschgels und Tas- tentelefonen zu erzählen. Wunderbar schräg wie das Leben – klasse!
Wie
                                                    und offenen Türen
        Dolly Alderton
Gespenster
384 S., € 22,– Atlantik
Angriff auf die bürgerliche Langeweile
Alexandra Stahl
Männer ohne Möbel
240 S., € 22,– Jung und Jung
                                Nach ihrem vieldiskutierten Bestseller »Alte, weiße Männer« entlarvt Sophie Passmann in ihrem neuen Werk den unerträglichen Habitus einer Bürgerlichkeit, durch die sie selbst geprägt wurde. Sophie Pass- mann teilt aus gegen alle, am verheerendsten aber gegen sich selbst und ihres- gleichen. Zornig und böse, sanft und lustig zugleich zieht sie uns mit rein ins tiefe Tal der bürgerlichen Langeweile im westdeutschen Mittelstand. Sie geht vehement vor gegen die hedonistische Haltung einer wohlgemerkt nicht ho- mogenen Generation, die ihr selbst nur allzu bekannt ist. Dies ist kein Memoir, kein Roman, keine Biographie, es ist: literarischer Selbsthass. Das ist aufrüt- telnd, wird sicher spalten, vor allem aber zum Diskutieren anregen: »Komplett Gänsehaut« einfach.
Sophie Passmann
Komplett Gänsehaut
192 S., € 19,– Kiepenheuer & Witsch erscheint am 4. März 2021
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Schöner lesen · Frühjahr 2021













































































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